Das Pavo-Puzzle Projekt

 

Ein bewegtes Leben mit bislang 13 Teilen

 

Lange trieb mich die Frage um, ob es möglich sein würde, aus verschiedensten Carbon-Komponenten mit schweren und schwersten Vorschäden durch Reparatur ein neues, sicheres und verkehrstaugliches Rennrad aufzubauen. Dieses ist mir nun gelungen. Hier meine Geschichte:

 

 

Simplon Pavo nach einem Unfall

Im Oktober 2011 erwarb ich das Herzstück meines Projektes: Einen durch einen Massensturz in vier Teile gebrochenen Simplon Pavo Rahmen. In 40 Arbeitsstunden habe ich ihn repariert und dabei den Bremszug und die Schaltzüge nach innen verlegt. Um die Geometrie meinen Bedürfnissen anzupassen, habe ich das Oberrohr zeitgleich um 20 mm verlängert. Zuletzt lackierte ich den Rahmen in den Polytube-Farben rot, schwarz und weiß.

 

Im Oktober 2012 erstand ich eine defekte Look-Gabel, Modell 585 Ultra. Die Reparatur erforderte sehr viel Fingerspitzengefühl, da der Schaft 10 cm über der Lagerkrone komplett durchgebrochen war. Auslöser: Frontalunfall bei 20 km/h unter Beteiligung eines Transporters.

 

Reine Arbeitszeit: 6 Stunden

 

 

Im selben Jahr bot mir ein Hobby-Rennradfahrer seinen defekten Wasserflaschenhalter an. Durch einen Sturz waren beide Klemmflügel gerissen. Diese Reparatur war besonders filigran.

Reine Arbeitszeit: 4 Stunden

 

Die Laufräder habe ich im Jahr 2013 geschenkt bekommen. Am vorderen war die Carbonbremsfläche durchgebremst. Diese ersetzte ich durch eine Aluminiumbremsfläche.

Das hintere Laufrad war unglücklich mit einem Schlagloch in Kontakt gekommen. Dadurch riss die Durchbohrung für das Schlauchventil. Beide Reparaturen wurden unter der Verwendung von hochtemperaturresistentem Harz durchgeführt.

Reine Arbeitszeit: 24 Stunden         

Sechs Monate später wurde mir ein defekter Lenker gespendet, der sonst im Müll gelandet wäre. Er war am Montagepunkt des rechten Bremshebels gebrochen. Die Reparatur war Routine.

Reine Arbeitszeit: 3 Stunden

 

Kurz darauf ersteigerte ich eine Zipp Vumaquad-Kurbelgarnitur, die aufgrund einer Materialermüdung an der Gewindehülse der Pedalaufnahme gerissen war. Zusätzlich kaufte ich zwei Look-Keo-Pedale. Die eine war in Ordnung, die andere am Clipscharnier gerissen.

Während die Kurbelgarnitur leicht zu reparieren war (reine Arbeitszeit: 6 Stunden), stellte das Pedal aufgrund des gespritzten faserverstärkten Kunststoffs eine große Herausforderung dar. Es hat mehrere Versuche gebraucht ein passendes Harzsystem zu finden, dass in der Lage war, eine ausreichende Klebeverbindung zu diesem Kunststoff aufzubauen.

Reine Arbeitszeit: 12 Stunden

 

Anfang 2014 konnte ich dann eine defekte Sattelstütze ergattern. Der Eigentümer wollte sie entsorgen, da sich die Aluminium-Sattelaufnahme vom Carbonrohr getrennt hatte. Der Einsatz von Standardmaterialien sorgte hier für wirkungsvolle Abhilfe.

Reine Arbeitszeit: 2 Stunden

 

Ein defekter Sattel kam im Januar 2016 durch ein Tauschgeschäft hinzu und ist das bisher letzte Stück in meiner Sammlung. Die Auflagefläche für die rechte Gesäßhälfte war unfallbedingt gerissen. Die Reparatur war unproblematisch.

Reine Arbeitszeit: 3 Stunden

 

Da es mir trotz großer Bemühungen nicht gelungen ist, ein reparaturbedürftiges Schaltauge, eine Umwerferschelle und Abstandsringe zu finden habe ich diese Teile selbst hergestellt und verbaut.

Reine Arbeitszeit: 12 Stunden

 

Nach wie vor suche ich außerdem defekte Schalt-/Bremshebel, ein Schaltwerk, einen Umwerfer und einen Vorbau (alles aus Carbon), damit ich die aktuellen Aluminiumteile austauschen kann.

Übrigens, nachdem das Rennrad von mir auf seine Steifigkeit hin getestet wurde, hat es bis jetzt eine absolut mängelfreie Laufleistung von mehreren tausenden Kilometern erbracht. Die Abfahrtspitzengeschwindigkeit liegt bei 79 km/h und der nächste Frühling kommt bestimmt.

Eine kurze Zusammenfassung in Zahlen:

Projektdauer:  5 Jahre

Arbeitsstunden: 112

Wirtschaftlichkeit: 0

Ideeller Wert: unbezahlbar